Jan, wer bist Du, und was ist deine Aufgabe bei H3?
Jan Hoffmann:
Ich bin Jan Hoffmann, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer der H3 Projektbau GmbH. Zusammen mit meinem Mitgründer Julian Herrmann habe ich H3 vor fünf Jahren gegründet – wir kennen uns übrigens schon seit der ersten Klasse. Irgendwann haben wir dann auch beruflich zusammengefunden, beim gleichen Bauunternehmen gearbeitet, und dort gemeinsam gemerkt: Das können wir besser. Also haben wir den Schritt gewagt.
Julian verantwortet bei uns den technischen Bereich – er ist derjenige, der die Projekte in der Tiefe durchdenkt. Ich komme aus dem wirtschaftlichen Bereich und kümmere mich um Administration, Vertrieb, Marketing und Fördermittelberatung. Gemeinsam betreuen wir mit unserem neunköpfigen Team Projekte mit einem Bauvolumen von rund 20 Millionen Euro im Jahr.
Wie ist die Idee für dieses Bauprojekt entstanden?
Jan Hoffmann:
Die Idee war eigentlich eine logische Schlussfolgerung. Wir bauen täglich für andere – da war es irgendwann klar, dass wir auch unser eigenes Büro bauen. Und wenn wir das schon tun, dann richtig.
Uns war wichtig, ein Gebäude zu bauen, das sich auf das Wesentliche konzentriert: geringe Betriebskosten, keine aufwändige Klimatechnik, kein Glaspalast mit teurer Lüftungsanlage. Stattdessen ein Gebäude, das den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist – wärmere Sommer, steigende Energiekosten, Klimawandel. Das Konzept dafür haben wir uns selbst erarbeitet.
Was uns dabei besonders freut: Mit HRMS – Steuerberater und Rechtsanwälte – haben wir Partner gefunden, die unsere Überzeugungen teilen. Menschen, die genauso denken wie wir und mit denen wir dieses Projekt gemeinsam verwirklichen konnten. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Welche Vision steckt hinter dem Projekt und warum wurde gerade dieser Standort gewählt?
Jan Hoffmann:
Der Standort am Lehenhof war für uns ideal – gut angebunden und mitten in der Region, in der wir täglich aktiv sind. Schwäbisch Hall und Umgebung ist unser Zuhause, da war es der perfekte Standort. Einfach war es allerdings nicht. Bauland ist in unserer Region absolute Mangelware – das erleben wir täglich mit unseren Kunden, und wir haben es bei unserem eigenen Projekt genauso erlebt. Um das Grundstück von der Stadt zu erhalten, braucht man aussagekräftige Bewerbungsunterlagen – also ein überzeugendes Konzept, das zeigt, was man mit dem Grundstück vorhat. Dieses Konzept haben wir gemeinsam mit HRMS erarbeitet – und es hat geklappt.
Was macht dieses Gebäude besonders im Vergleich zu klassischen Neubauten?
Jan Hoffmann:
Das Besondere ist eigentlich schnell erklärt: Wir haben ein Gebäude gebaut, in dem im Sommer keine Klimaanlage notwendig ist – es bleibt trotzdem angenehm kühl. Und im Winter brauchen wir kaum zusätzliche Heizenergie. Das Geheimnis dahinter ist das doppelschalige Ziegelmauerwerk mit 70 cm Wandstärke – es speichert Wärme und Kälte auf ganz natürliche Weise. Um das greifbar zu machen: Unser Bürokomplex, in dem rund 50 Menschen arbeiten werden, benötigt deutlich weniger Energie zum Heizen als ein normales Einfamilienhaus. Das ist kein Marketingversprechen – das steckt in der Konstruktion.
Und wir werden es beweisen: Wir haben Temperaturfühler direkt im Mauerwerk verbaut und messen alles kontinuierlich. Die Daten werden live im Eingangsbereich auf einem Bildschirm angezeigt – jeder, der das Gebäude betritt, kann die Werte sehen. Volle Transparenz.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei diesem Projekt von Anfang an?
Jan Hoffmann:
Nachhaltigkeit ist für uns kein Modewort – das zieht sich durch unsere gesamte Arbeit. Wir bauen mittlerweile viele Bürogebäude in Holzbauweise, haben bereits Mehrfamilienhäuser im KfW-40-QNG-NH-Standard realisiert und setzen uns intensiv mit ökologischen Bauweisen auseinander. Bei diesem Projekt wollten wir aber auch zeigen, dass man mit Ziegel nachhaltig bauen kann – und das wird oft unterschätzt. Ziegel hat eine außergewöhnlich lange Lebensdauer, ist recycelbar und vor allem: unsere Ziegel kommen von Staudacher Ziegel, einem Hersteller aus Bayern – deutlich kürzere Transportwege als viele andere Baustoffe, die quer durch Europa gekarrt werden.
Nachhaltigkeit bedeutet für uns eben nicht nur Energie sparen im Betrieb, sondern das Gebäude als Ganzes zu denken – von der Herstellung der Materialien bis zur Nutzung über Jahrzehnte.
Welche konkreten nachhaltigen Maßnahmen werden beim Bau umgesetzt?
Jan Hoffmann:
Die Maßnahmen greifen bei uns auf mehreren Ebenen ineinander. Das Herzstück ist natürlich das Mauerwerk selbst – aber da hört es nicht auf. Auf dem Dach haben wir eine leistungsstarke Photovoltaikanlage installiert. Den Strom nutzen sowohl H3 als auch HRMS – unter anderem zum Laden unserer Firmenfahrzeuge. Wir setzen bei H3 übrigens ausschließlich auf Elektroautos als Dienstwagen.
Regenwasser wird über eine Zisterne gesammelt und genutzt – für die Toilettenspülung und die Gartenbewässerung. Auf den Parkflächen haben wir teilweise wasserdurchlässiges Pflaster verbaut, damit Regenwasser versickern kann statt einfach abzufließen. Das war eine bewusste Entscheidung von uns.
All das zusammen macht für uns echte Nachhaltigkeit aus – nicht eine einzelne Maßnahme, sondern ein durchdachtes Gesamtkonzept.
Welche Energieeffizienzstandards erfüllt das Gebäude?
Jan Hoffmann:
Wir erfüllen den KfW-40-Standard – das war von Anfang an unser Ziel, hat sich durch unser Konzept aber auch quasi von selbst ergeben. Ein Gebäude mit 70 cm Ziegelmauerwerk, minimaler Heizlast und Photovoltaikanlage kommt da ganz natürlich hin. Und der KfW-40-Standard zahlt sich auch finanziell aus – wir haben dadurch ein Darlehen zu besseren Konditionen erhalten. Das ist übrigens ein Punkt, den viele Bauherren unterschätzen: Nachhaltigkeit ist nicht nur gut fürs Gewissen, sondern rechnet sich auch ganz konkret – durch niedrigere Betriebskosten, geringere Energiekosten und bessere Finanzierungskonditionen.
Welche Technologien kommen zum Einsatz?
Jan Hoffmann:
Es ist das Zusammenspiel aller Komponenten, das dieses Gebäude besonders macht – keine einzelne Technologie allein.
Das Fundament ist das Ziegelmauerwerk, das Wärme und Kälte speichert. Darauf aufbauend haben wir CO₂-Messgeräte installiert, die konstant die Raumluftqualität überwachen. Sobald die Werte steigen – zum Beispiel weil viele Menschen im Raum sind – öffnen sich die motorisierten Fensterflügel automatisch und sorgen für frischen Luftaustausch. Das funktioniert tagsüber genauso wie nachts, wo die Fenster das Gebäude aktiv auskühlen. Dazu kommt eine leistungsstarke Photovoltaikanlage auf dem Dach, und die Betonkernaktivierung über die Fernwärme für die wenigen Tage im Jahr, an denen wir tatsächlich nachheizen müssen. Alles greift ineinander – und das Schöne daran ist: Es gibt kaum bewegliche Teile, kaum Wartungsaufwand. Die Physik macht die Arbeit.
Wie wird der Energieverbrauch langfristig reduziert?
Jan Hoffmann:
Der Energieverbrauch ist im Vergleich zu einem klassischen Bürogebäude drastisch reduziert. Das Prinzip ist eigentlich faszinierend: Die Abwärme von 50 Menschen, ihren Computern und Geräten reicht zusammen mit der Sonneneinstrahlung fast das gesamte Jahr aus, um das Gebäude zu temperieren – ganz ohne aktive Heizung. Um das zu verdeutlichen: Wären die Weihnachtsferien nicht, könnten wir das Gebäude vermutlich ausschließlich mit dieser Abwärme betreiben. Aber wenn die Mitarbeiter zwei Wochen nicht da sind, kühlt das Gebäude natürlich aus – und genau dann kommt unsere Fernwärme ins Spiel. Über eine Betonkernaktivierung in den Decken wird das Gebäude bei Bedarf sanft und effizient wieder auf Temperatur gebracht.
Das sind die einzigen Momente, in denen wir wirklich aktiv heizen müssen – an wenigen Wochen im Jahr.
Welche Materialien werden verwendet und wie nachhaltig sind diese?
Jan Hoffmann:
Uns war wichtig, dass wir bei diesem Projekt konsequent auf regionale Handwerker und Lieferanten setzen. Die Fenster zum Beispiel – hochwertige Holz-Alu-Fenster – werden in Crailsheim gefertigt, quasi um die Ecke. Der Naturstein im Eingangsbereich und die Fensterbänke kommen ebenfalls aus der Region. Das ist für uns keine Marketingstrategie, sondern eine Überzeugung. Kurze Wege, lokale Wertschöpfung, und man weiß mit wem man es zu tun hat. Wir arbeiten grundsätzlich mit Handwerkern aus der Region zusammen – nicht nur beim Bürogebäude, sondern bei allen unseren Projekten.
Was macht diese Immobilie langfristig wertstabil?
Jan Hoffmann:
Die Wertstabilität ergibt sich aus mehreren Faktoren, die zusammenspielen.
Erstens: wenig Technik, die irgendwann ersetzt werden muss. Keine Lüftungsanlage, keine Klimaanlage – das sind teure Systeme, die Wartung brauchen und irgendwann das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Bei uns gibt es das schlicht nicht.
Zweitens: dauerhaft niedrige Energiekosten. Das Gebäude ist so konzipiert, dass es über Jahrzehnte hinweg wenig Energie braucht – unabhängig davon, wie sich die Energiepreise entwickeln.
Und drittens: die Massivbauweise macht das Gebäude extrem flexibel. Man kann es gut umbauen und umnutzen – heute Büro, morgen vielleicht etwas anderes. Ein massiv gebautes Gebäude passt sich den Bedürfnissen seiner Nutzer an, nicht umgekehrt.
Welche Förderprogramme oder Finanzierungsmöglichkeiten gibt es für nachhaltige Gebäude?
Jan Hoffmann:
Die Förderlandschaft ändert sich leider laufend – das ist ehrlich gesagt auch eine der größten Herausforderungen für Bauherren. Was ich sagen kann: Wir haben für unser Projekt den KfW-Kredit für klimafreundliche Nichtwohngebäude genutzt und dadurch ein Darlehen zu deutlich besseren Konditionen erhalten als am freien Markt.
Darüber hinaus gibt es immer auch weitere Fördermöglichkeiten – auf Landes- oder kommunaler Ebene zum Beispiel – die man individuell prüfen sollte. Das ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich und ändert sich regelmäßig.
Generell gilt: Wer nachhaltig baut, wird belohnt – durch bessere Finanzierungskonditionen, niedrigere Betriebskosten und langfristig stabile Energiekosten. Und: Fördermittel müssen in den meisten Fällen vor Baubeginn beantragt werden – das ist ein Fehler, den wir in der Praxis leider immer wieder sehen. Wer hier Unterstützung braucht – wir kennen den Fördermarkt gut und helfen gerne.
Wie lange dauert es von der ersten Idee bis zur Fertigstellung?
Jan Hoffmann:
Das ist sehr individuell und hängt von vielen Faktoren ab. Als grobe Orientierung: Von der ersten Idee bis zur Fertigstellung sollte man realistisch mit etwa zwei Jahren rechnen.
Zuerst braucht man Bauland – und das ist, wie wir bereits gehört haben, oft die größte Hürde. Dann folgt die Planungsphase, die je nach Komplexität zwei bis sechs Monate dauert. Danach kommt die Genehmigungsphase – und die kann zwischen drei Monaten und einem Jahr dauern, je nachdem wie die Gemeinde aufgestellt ist.
Was viele überrascht: Die eigentliche Bauzeit ist oft der kürzeste Teil – in der Regel etwa zwölf Monate. Die Bürokratie dauert häufig länger als der Bau selbst. Das ist eine der großen Herausforderungen unserer Branche.
Gibt es ein Detail im Gebäude, das viele Besucher gar nicht bemerken, aber technisch besonders ist?
Jan Hoffmann:
Die automatisch öffnenden Fensterflügel. Die meisten sehen sie und denken nichts dabei – aber dahinter steckt das komplette Lüftungs- und Kühlkonzept des Gebäudes.
Wir haben CO₂-Sensoren installiert, die konstant die Raumluftqualität messen. Sobald die Werte steigen – zum Beispiel weil viele Menschen im Raum sind – öffnen sich die Fenster automatisch und sorgen für frischen Luftaustausch. Nachts, im Sommer, öffnen sie sich um das Gebäude auszukühlen – ganz ohne dass irgendjemand einen Schalter betätigt oder eine Klimaanlage anspringt.
Welche Innovation im Bauwesen begeistert Dich persönlich am meisten?
Jan Hoffmann:
Was mich persönlich am meisten begeistert ist eigentlich ein Paradox: Die spannendste Innovation im Bauwesen ist für mich gerade das Rückbesinnen auf das Wesentliche.
Wir haben jahrzehntelang immer mehr Technik ins Gebäude gepackt – Lüftungsanlagen, Klimageräte, komplexe Steuerungssysteme. Und irgendwann haben wir dabei vergessen, dass ein gut durchdachtes Gebäude das alles gar nicht braucht. Die Physik funktioniert seit Jahrhunderten – wir müssen sie nur richtig nutzen.
Das sehen wir bei unserem eigenen Bürogebäude: 70 cm Ziegelmauerwerk, ein paar Sensoren, motorisierte Fenster – und das war’s. Kein Wartungsaufwand, keine komplexe Technik, die irgendwann ersetzt werden muss.
Gleichzeitig begeistert mich wie moderne Planungstools – digitale 3D-Modelle, Simulationen von Energieflüssen – es uns heute ermöglichen, solche Konzepte präzise durchzudenken und zu beweisen, bevor auch nur ein Stein gesetzt wird. Die Kombination aus uraltem Handwerk und moderner Planung – das ist für mich die echte Innovation.
Was war die schwierigste Entscheidung während des Projekts?
Jan Hoffmann:
Die schwierigste Entscheidung war tatsächlich, überhaupt eine Heizung einzubauen. Unser ursprünglicher Plan war, komplett darauf zu verzichten. Das Gebäude ist so konzipiert, dass die Abwärme von Menschen, Computern und Geräten zusammen mit der Sonneneinstrahlung eigentlich ausreicht. Und rein theoretisch stimmt das auch.
Das Problem? Die Mitarbeiter wollen in den Urlaub. Wenn über Weihnachten zwei Wochen niemand im Gebäude ist, kühlt es nun mal aus. Und dann muss man es wieder auf Temperatur bringen. Also haben wir uns für eine minimalistische Lösung entschieden: eine Betonkernaktivierung über die Fernwärme – so unauffällig wie möglich, so selten wie nötig. An den meisten Tagen im Jahr merkt man gar nicht, dass sie da ist.